Ausgebremst!

Höhenflüge enden manchmal abrupt! So auch meiner! In den letzten Wochen konnte ich in der Boulderwelt fast alles niederreißen, was sich die Schrauber ausgedacht hatten.

Black Friday

Black Friday

Dynos genauso wie das Balance-Zeug. Leisten und Sloper. Selbst das super-anspruchsvolle Bewegungsproblem am Diamanten hat sich nicht lange wehren können. Und dann kam der Freitag …

Rückblick
Schon länger trainiere ich mit Nadja in der Boulderwelt. Wer Dienstagsabends dort rockt, kennt uns, die beiden Berserker, die sich zuerst am Campusboard die Kante geben und dann – wenn das Licht vom Thekenpersonal als Zeichen des baldigen Feierabends gelöscht wird – noch schnell eine HIIT-Runde am Schlingentrainer durchziehen.

Mit „trainieren“ meine ich auch wirklich trainieren. Die meisten von uns gehen ja einfach so in die Kletter-/Boulderhalle. Ohne (Trainings-) Plan. Aufwärmen, leichtere Routen/Boulder, dann etwas an der Leistungsgrenze kratzen und noch ein wenig ausklettern. Jeden Abend ähnlich. So haben wir es auch lange gemacht. Der Wendepunkt weg von „planlos in die Halle gehen“ hin zu zielgerichtetem Training kam durch Nadjas Knieverletzung.

Spalten auf dem Weg zum Piz Buin

Spalten auf dem Weg zum Piz Buin

Wir waren auf Hochtour in den Alpen als Nadja beim Sprung über eine Gletscherspalte mit einem Steigeisen hängen blieb und sich unglücklich das Knie verdrehte. Kreuzband ab, Meniskus gerissen. OP und min. 3 Monate keine Belastung!

Ich fühlte mich schuldig, weil ich sowohl die Tour ausgesucht hatte als auch den Weg durch das Gletscherlabyrinth. Dreißig Meter weiter rechts hätte man die Spalte leicht umgehen können.

Nadja ahnt Böses

Nadja ahnt Böses

Nadja hat zwar nichts gesagt, aber bei dem Gedanken an eine Kletterpause konnte man in Nadjas Gesicht ablesen, was sie denkt. Gerade hat sie das Bouldern als tolle Ablenkung vom Alltag für sich entdeckt, Feuer gefangen und schnell Fortschritte gemacht. Jetzt das!

Nadja war so enttäuscht und niedergeschlagen, es war nicht mit anzusehen. Und ich war schuld. Deshalb habe ich Nadja versprochen, sie als Trainingspartner und mit einem Trainingsplan durch diese Zeit zu begleiten. „Wenn das Knie Schonung braucht, können wir an anderen Muskelgruppen arbeiten“, war mein Vorschlag. So kamen wir dazu, uns mit allen möglichen Trainingsformen zu beschäftigen, die einen beim Klettern weiterbringen, aber nicht das Knie belasten. In der Folge verbrachten wir viel Zeit mit Klimmzügen, Bauchmuskeltraining, Campusboarding und allem möglichen, was Kletterer so gar nicht wirklich mögen.

Nadjas Handicap

Nadjas Handicap

Seit gut einem Jahr bouldern wir wieder. Nadjas Knie ist zwar immer noch nicht ganz stabil, weil sich die Muskeln nicht so recht aufbauen wollen, aber Sie kann schon wieder einiges probieren. Obwohl sie noch langsam macht und unsichere dynamische Züge und Ausstiege meidet, fallen ihr Boulder leicht, an die sie vor unserem Training nicht mal einen Gedanken verschwendet hätte.

Erwartete Fortschritte
Das Training nach Plan hat seine Wirkung nicht verfehlt. Auch bei mir. Die vielen Campusboard-Sessions und Trainings für die Körpermitte haben zwei meiner Schwächen in Stärken umgewandelt.

Screenshot Trainingsplan

Screenshot Trainingsplan

Körperspannung und Blockieren. Ende Dezember wurden die Blauen in der Boulderwelt neu geschraubt und an nur 3 Abenden konnte ich fast alle punkten, einige flashen. Für mich gar nicht so schlecht. Super cool – um ehrlich zu sein.

Vorbote
Eine der Blauen hat einen für mich harten Einstiegszug. Um abzuheben, muss ich die Finger meiner rechten Hand ganz schön crimpen. Das blaue Biest hat mich einige Versuche gekostet und am nächsten Morgen war mein Ringfinger leicht angeschwollen und ließ sich nicht mehr ganz beugen. „Kein Problem, eine kleine lokale Überlastung. Das ist Freitag wieder weg!“, waren meine oberflächlichen Gedanken.

Obendrauf
Dann kamen der Freitag und das nächste Training. Nadja und ich tüftelten mit einigen anderen die Moves an ein paar Problemen aus. Gemeinsam Bouldersequenzen entschlüsseln und zusammenhängen kann so viel Spaß machen und befriedigend sein, dass man schon mal alles um sich herum vergisst. Auch den verletzten Finger. Außerdem fehlt mir noch diese Blaue an den Cubes, ein Sloperboulder der einzelne Finger bestimmt nicht sonderlich beansprucht. „Sieht zwar schwer aus, aber ein Versuch geht schon …“, dachte ich mir.

Das blaue Sloperbiest

Das blaue Sloperbiest

… oh Mann, fast geflashed. Wären da meine Füße nicht gekommen und kurz über die Matte geschleift hätte ich das Ding im Sack gehabt. Im nächsten Go geht die! Mit viel Motivation und Adrenalin im Körper konnte ich das Ding dann im nächsten Versuch ticken. Leider nicht ohne Nebenwirkungen. Meinen Finger habe ich mir völlig geschrottet. Am nächsten Tag war er nicht nur geschwollen und kaum mehr zu bewegen, er tat auch höllisch weh.

Motovation ist nicht immer alles
Wie ich in einem älteren Post schon geschrieben habe, zählt Motivation zu einem der großen vier trainierbaren Faktoren, der Psyche. Eine gut trainierte Psyche weiß dabei auch, wann Schluss sein sollte.

Der Motivations-Muskel sitzt im Kopf

Der Motivations-Muskel sitzt im Kopf

Meine Psyche ist in dieser Hinsicht offensichtlich nicht so gut trainiert. Ich habe es übertrieben. Zu viel Motivation kann auch schädlich sein. Es wäre schlau gewesen, der „kleinen“ lokalen Überlastung im Ringfinger die notwendige Zeit zur Regeneration zu geben. Es war dumm, die Warnsignale meines Körpers zu ignorieren.

Schmerz, Schwellung und Bewegungseinschränkung sind die Warnzeichen, die, bereits einzeln auftretend, zu sehr kritischem Hinterfragen der Ursache anregen sollten. Im Zweifel ist professioneller Rat einzuholen. Ich hätte es besser wissen können, hab’s aber verbockt.

Ausblick
Jetzt habe ich Zwangspause und mein Höhenflug ist gestoppt. Oder hoffentlich nur für ein paar Wochen unterbrochen. Denn im Frühling geht es in den Boulderurlaub. In die USA natürlich! Wohin genau? Das verrät einer meiner nächsten Posts!

Über ralfisordinarylife

Husband, Father, Employee, Boulderer ... trying to meet all expectations
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