Ein Tag im Wald

Crashpadreiten

Crashpadreiten

Für uns Boulderer ist sofort klar, mit einem Tag im Wald ist bouldern in Fontainebleau gemeint. Aber was versteht mein fünfjähriger Sohn darunter?

Die Zustiege in Fontainebleau sind fast immer kurz. Kein Grund für Tiano auf das obligatorische Crashpad-Reiten zu verzichten. Zwei aneinandergebundene Crashpads schleppen ist ja schon anstrengend, besonders wenn in einem der beiden auch noch die ganze Ausrüstung, Getränke, Mittagessen, Spielzeug usw. steckt. Wenn dann zusätzlich noch ein Reiter auf die Schultern will, wird es wirklich mühsam. Jedenfalls für das Pferd. Dem Reiter scheint es zu gefallen, hat er doch eine grandiose Aussicht und anders als beim normalen Reiten auf Papas Schultern sogar eine bequeme Rückenlehne. So lässt sich’s aushalten und damit dem Pferdchen auch nicht langweilig wird, stehen Blindekuh und Hopp-Hopp-Galopp auf dem Zustiegs-Programm.

Diese Höhle muss es sein

Diese Höhle muss es sein

Am Beginn des Parcours angekommen, müssen die Felsen natürlich sofort erkundet werden. Während der eine tolle Bewegungsprobleme entdeckt, findet der andere, dass der Block viel zu Schade fürs Klettern ist. Hier muss unbedingt eine Höhle gebaut werden! Na gut, warum nicht? Was braucht man für eine gute Höhle? Baumaterial natürlich. Also streunen wir beide durch den Wald und suchen abgebrochene Äste und alte Baumstämme, schleppen diese zur Höhle und errichten einen Eingang mit Türe und Fenster.

Baumaterial

Baumaterial

Außerdem noch eine weitere Außenwand und eine kleine Zufahrtsstraße. Gott sei Dank ist die Höhle schon mit einem Tisch aus Stein ausgestattet. Als Sitzgelegenheit dient natürlich das Crashpad. Wozu sonst kann man das im Wald von Fontainebleau auch brauchen?

Interessanterweise ist unsere Küche nicht in der Höhle selbst untergebracht, sondern ungefähr zwanzig Meter entfernt. Herd und Backofen sind eine Steinformation und das angewachsene Moos wird als Gewürz verwendet.

Kuchen backen in unserer Küche

Kuchen backen in unserer Küche

Seit wir in Bleau sind hat es nicht geregnet, aber Tiano findet natürlich noch eine Pfütze und so lässt sich prima Teig für Schokokuchen herstellen. Nur gut, dass ich feuchte Tücher eingesteckt habe, denn wie beim Backen zuhause klebt der Teig nicht nur an der Kuchenform und im Backofen, sondern vor allem an den Fingern und im Gesicht. Dass die Jacke auch was abbekommt, hatte ich ohnehin eingeplant.

Frische Luft, Höhle bauen und Kuchen backen machen hungrig, und da uns unser Schokokuchen nicht tatsächlich satt gemacht hat, gehen wir zur Mittagspause über.

Mittagessen

Mittagessen

Wie es sich für echte Bleausards gehört, haben wir frische Schokocroissants dabei. Diese schmecken lecker, sind aber in Verbindung mit Apfelschorle eine echte Herausforderung für einfache feuchte Tücher aus Deutschland.

Frisch gestärkt und gut ausgeruht bleibt dem Papa leider keine Zeit für eine kurze Bouldersession. Jetzt muss dringend die Umgebung erkundet werden. Dabei ist für mich immer wieder faszinierend, wie viel Fantasie Kinder entwickeln.

Krokodil

Krokodil

Innerhalb ganz kurzer Wege entdecken wir ein Krokodil, eine Schildkröte und einen Torbogen. Zunächst beschließt Tiano, dass diese Tiere heute Abend in unserer Einschlafgeschichte vorkommen müssen, entscheidet sich dann aber um und ich darf mir gleich an Ort und Stelle eine Erzählung ausdenken. Wenigstens kuscheln wir uns dazu auf eines der Crashpads. Denn wie immer kann ich nicht widerstehen, wenn meine Geschichte eigentlich zu Ende ist und ich Tiano sagen höre: „Ein bisschen weiter, biiittte.“ Also geht die Geschichte noch ein bisschen weiter.

Schildkrötenpanzer

Schildkrötenpanzer

Unglaublich, wie aufmerksam er zuhören kann und wie ruhig er dabei sitzen kann, wo er doch sonst nur rumzappelt und hyperaktiv ist.

Dann irgendwann kann gehen wir auf Entdeckertour. Wir streunen durch den Wald und kommen zu einem abgebrochenen Baum, von dem nur noch gut drei Meter des Stammes stehen und sich die Rinde gelöst hat. So lernt er das Wort „morsch“, das mich die nächsten Tage noch verfolgen wird, da er von jetzt an bei jedem Stück Holz, das er sieht, nachfragt, ob auch das morsch ist.

Abgebrochener Baum

Abgebrochener Baum

Immer wieder stelle ich fest, wie sich Kinder für scheinbare Banalitäten begeistern können, für die wir Erwachsenen längst den Blick verloren haben. So bleiben wir ganz lange bei einem Farn stehen, dass seinen Schatten an einen Stein wirft. Wo kommt der Schatten her, Papa? Warum bewegt sich der Schatten, Papa? Geht der auch mal weg? Warum ist er schwarz, das Farn ist doch grün? Manchmal bringen mich seine Warum-Fragen an meine Grenzen, aber jetzt bin ich überzeugt, er wird mal Naturwissenschaftler!

Wahrscheinlich würden wir immer noch dem Spiel aus Licht und Schatten zusehen, wenn sich nicht plötzlich Wolken vor die Sonne geschoben und ordentlich Regen gebracht hätten.

Licht und Schatten

Licht und Schatten

Doch auch auf diese Situation war mein kleiner Wissenschaftler bestens vorbereitet. Wir haben doch eine Höhle gebaut. „Schnell Papa, flitzen wir dahin“! Also zurück zur Höhle, Zeug zusammensuchen und unterstellen. Leider hatten wir beim Höhlenbau nicht berücksichtigt, dass sich diese an der tiefsten Stelle weit und breit befindet und so fließt das Wasser den Naturgesetzen folgend langsam aber stetig in unseren Unterschlupf. Bald bleibt uns nichts anderes übrig, als unsere Sachen immer enger zusammenzuräumen und schließlich müssen wir – es hat Gott sei Dank schon fast aufgehört zu regnen – sogar aus der Höhle und dem Wald flüchten.

Höhle im Regen

Höhle im Regen

So geht ein langer und schöner Tag im Wald zu Ende an dem ich zwar kaum gebouldert bin, aber dennoch viel Spaß hatte. Abends im Zelt habe ich allergrößte Mühe noch mal eine Geschichte vom Krokodil und der Schildkröte zu erzählen. Ich glaube, ich bin sogar vor Tiano eingeschlafen.

Höhle bauen

Höhle bauen

Torbogen

Torbogen

Abhängen am Baumstamm

Abhängen am Baumstamm

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Über ralfisordinarylife

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