Die sieben Berglügen

LügenVor Kurzem war ich zu einer Fortbildung in den Bergen. Das Wetter war zwar bescheiden, dafür die Tour gewaltig schön und das Team extrem harmonisch. Auf dem langen Anstieg von der Hütte zum Nordgrat des Pitztaler Urkund hatten wir ausreichend Zeit uns zu unterhalten. Giggl hat mir dann von den „Sieben Berglügen“ erzählt, von denen ich bis dahin noch nie etwas gehört hatte. Offensichtlich gehören diese zum Repertoire eines jeden guten Tourenleiters. Ist Euch schon mal eine zu Ohren gekommen?


Da hinten reist’s schon auf!

Besseres Wetter in Sicht?

Besseres Wetter in Sicht?

Die Tour stand schon in der Planungsphase auf der Kippe, wegen des Wetters. Also wird so lange nach der passenden „Wetterseite“ im Internet gesucht, bis man endlich eine gute Wetterprognose gefunden hat. Auf der Tour selbst rächt sich das natürlich, alle werden pitschepatschenass, die Motivation sinkt gegen null. Da braucht es schon einen aufmunternden Spruch: „Da hinten reist’s schon auf!“


Gleich sind wir da!

Gleich sind wir da!

Gleich sind wir da!

Seit Stunden schleppt sich die Gruppe Richtung Hütte, aber diese will einfach nicht in Sicht kommen. Klar, für die Tourenvorbereitung war nicht so viel Zeit, wie auch, bei dem Stress im Job und in der Familie. Keiner hat sich mit dem Weg zur Hütte vertraut gemacht, jeder verlässt sich auf den anderen. Außerdem sind die Hütten normalerweise ja auch gut ausgeschildert. In jedem Fall kann ein „Gleich sind wir da!“ zur allgemeinen Aufmunterung nicht schaden.


Die Hütte wird bestimmt nicht voll!

Die Hütte wird bestimmt nicht voll!

Die Hütte wird bestimmt nicht voll!

Wie schon erwähnt, die Tourenplanung war nicht ganz perfekt und für den Anruf auf der Hütte und die Reservierung der Lager blieb keine Zeit. Es wurde ja sowieso erst im letzten Augenblick entschieden, wo man hinfährt. Also muss man sich die Situation schönreden: „Die Hütte wird bestimmt nicht voll!“ Blöd nur, wenn der Hüttenzustieg wie auf dem Bild aussieht.


Geschnarcht habe ich noch nie!

Geschnarcht habe ich noch nie!

Geschnarcht habe ich noch nie!

Endlich auf der Hütte angekommen und sogar noch einen Lagerplatz ergattert, geht es nach dem Abendessen zur wohlverdienten Nachtruhe. Natürlich versichern alle Tourenpartner und Lagernachbarn: „Geschnarcht habe ich noch nie!“

Meistens ist am nächsten Morgen so viel Holz gesägt, dass man die Hütte den ganzen Winter über heizen könnte. An Schlaf war bei dem Lärm nicht zu denken. Egal wie einfach die Tour heute sein mag, das wird ein langer Tag.


Gamaschen brauchst Du bestimmt nicht!

Gamaschen brauchst Du gewiss nicht!

Gamaschen brauchst Du gewiss nicht!

Von der semi-optimalen Tourenvorbereitung hatten wir es ja schon. Leider ist auch die Ausrüstung betroffen. Deswegen umzukehren oder die Tour sausen zu lassen, kommt natürlich nicht infrage. Also wird sich gegenseitig mit „Gamaschen brauchst Du bestimmt nicht!“ beruhigt. Ignoriert wird dabei selbstverständlich, dass es gestern den ganzen Tag geregnet hat und in der Nacht total warm war. Dementsprechend ist der Gletscher nicht nur sulzig, sondern super-nass!


Dort hinten ist der Großvenediger!

Und dort hinten ist der Großvenediger!

Und dort hinten ist der Großvenediger!

Endlich oben! Was für ein Panorama! Da ist es nur legitim, nach den Namen der Gipfel zu fragen. Besonders der markante Felskoloss am Horizont muss doch bekannt sein. Schon kommt die Antwort. „Das ist der Großvenediger!“ Nur gut, dass alle anderen genauso ahnungslos sind und nur zustimmend nicken. Selbst bei besten Sichtverhältnissen ist der Großvenediger vom Feldberg aus nicht zu sehen!


So anstrengend war die Tour eigentlich gar nicht!

Eigentlich war die Tour ja gar nicht so anstrengend!

Eigentlich war die Tour ja gar nicht so anstrengend!

Zu guter Letzt sitzt man total erschöpft vorm Auto am Parkplatz, alle Knochen tun weh und man schwört sich: „Nie wieder so eine Schinderei“. Doch dann – ganz langsam – beginnt der Körper mit der Ausschüttung von Endorphinen und die Erinnerungen an die Strapazen weichen zugunsten der schönen Momente der Tour. Spätestens am nächsten Tag im Büro lautet das Fazit: „So anstrengend war die Tour eigentlich gar nicht!“


Kennt Ihr noch andere Berglügen? Dann her damit!


Disclaimer:
Alle Bilder stehen unter der Creative Commons Lizenz und sind auf pixabay.com frei verfügbar.

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