Sebstjustiz in Spanien

Ich bin müde und habe eigentlich keine Lust mich aufzuregen, aber das muss jetzt sein.

IMG_3003Gestern fuhren wir mit einem Mietwagen von unserem Hotel an der Küste nach Granada. Wir hatten die Alhambra besichtigt (was sonst?). Es war ein langer, heißer Tag und die Fahrt zurück, zog sich bis spät in die Nacht hinein. Als wir gegen ein Uhr in der Früh am Hotel ankamen, waren alle Parkplätze belegt. Auch entlang der Straße standen alle dicht an dicht. Also habe ich mich auf einen freien Platz gestellt, der für Motorräder vorgesehen war. O.k., das ist nicht unbedingt die feine englische Art. Aber schließlich musste ich den Wagen gleich am Morgen zurück zur Mietstation bringen. Nach einem schnellen Frühstück bin ich dann zum Auto und stelle zunächst mit Verwunderung und dann mit einem Lächeln fest, dass jemand einen Blumenkübel vor den Kofferraum geschoben hatte. Eine gerechte Strafe für das Parken auf einem Motorradparkplatz dachte ich mir. Der Blumenkübel war leicht und ich konnte ihn ohne Probleme wegschieben.

Dann kam das böse Erwachen. Beim Einsteigen sah ich, dass jemand einen großen Kratzer in die Fahrertür geritzt hatte. Absichtlich! Das ist kein Scherz mehr.

Bei der Rückgabe des Mietwagens durfte ich dann gut 200 Euro extra für den entstandenen Schaden zahlen. Das ist zwar nicht unbedingt viel für so einen Schaden, tut der Urlaubskasse dennoch nicht unbedingt gut.

IMG_3028Die ganze Fahrt über habe ich mich mit der Frage beschäftigt, warum jemand so etwas macht. Ich habe falsch geparkt, klar! Aber ist das eine angemessene Reaktion? Meine Erziehung sagt, man darf die Sachen anderer nicht kaputt machen. Meine Bildung sagt, es gibt eine Gewaltenteilung. Die Legislative macht die Gesetze, die Exekutive führt sie aus und im Zweifel entscheidet die Judikative.

Eigentlich nicht so kompliziert und so versuche ich es auch meinem Sohn zu erklären. Leider lehrt mich die Erfahrung, dass man doch einige Enttäuschungen hinnehmen muss. Ich hätte jetzt die Polizei in Spanien bemühen können. Anzeige gegen Unbekannt. Nach vier Wochen wäre das Verfahren ohne Ergebnis eingestellt worden. So war es auch vor einem Jahr in Hofheim, als ein Unbekannter alle (!!!) Autos in unserer Straße verkratzt hat. Damals durfte ich für die Reparatur noch viel mehr zahlen.

Vielleicht muss ich meine Erziehung und meine Bildung überdenken. Evtl. ist das alles nicht mehr zeitgemäß. Ellenbogen raus, Frust sofort abreagieren, ich zuerst. Nur nicht erwischen lassen, scheint die bessere Devise im Jahr 2018.

Leider kann ich nicht aus meiner Haut und bleibe lieber bei dem, was ich gelernt habe, von meinen Eltern, in der Schule, an der Uni und nicht zuletzt auch in der Kirche. Ein anderer wird richten!

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Über ralfisordinarylife

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2 Antworten zu Sebstjustiz in Spanien

  1. soisstullrich schreibt:

    Boeswillige Kratzer sind aergerlich und sicher auch nicht angemessen. Aber: Erstens verwechseln Sie Ursache und Wirkung und zweitens empfinde ich es als ziemlich ueberheblich, anderen sagen zu wollen, wie sie zu reagieren haben.

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    • ralfisordinarylife schreibt:

      Lieber soistullrich,
      schön, dass Sie meinen Blog lesen. Vielen Dank, das freut mich sehr.

      Danke auch für den Kommentar, den ich sehr wertschätze. Sie haben völlig recht, Kratzer sind ärgerlich und nicht angemessen.

      Darf ich fragen, an welcher Stelle in meinem Beitrag ich anderen vorschreibe, wie sie zu reagieren haben?

      Ich setze einmal voraus, dass Sie wissen, dass wir (Bürger) in Deutschland – und in Spanien ist es bestimmt genauso – das Recht auf Gewalt an den Staat abgetreten haben. Man nennt das auch „Gewaltmonopol des Staates“.

      Auszug aus Wikipedia: „Die Idee des Gewaltmonopols will, dass die Angehörigen eines Gemeinwesens darauf verzichten, Gewalt (z. B. im Wege der Selbstjustiz) auszuüben“. (https://de.wikipedia.org/wiki/Gewaltmonopol_des_Staates)

      Liebe Grüße

      ralfisordinarylife

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